Zwischen den Zeilen

Platz

Briefe schreiben ist inWann habt ihr das letzte Mal einen Brief geschrieben? Und ich meine jetzt nicht die Weihnachts- oder Geburtstagskarten damit…sondern einen richtigen Brief. Aber was macht denn einen „richtigen“ Brief überhaupt aus? Und ist Briefe schreiben heute tatsächlich so veraltet und fast schon lächerlich wie es manchmal scheint?

Ein richtiger Brief – also für mich beginnt es damit, das richtige Papier auszuwählen, je nach Anlass, Adressat und Aufwand (Es gibt so viele wunderschöne Briefblöcke!). Dann natürlich den entsprechend passenden Stift – will ich mit Bleistift, Kugelschreiber oder Tintenfüller schreiben; bunt, blau oder schwarz? Der Ort des Geschehens darf auch nicht vernachlässigt werden – kann ich unterwegs in der U-Bahn schreiben oder schließe ich mich lieber Zuhause im Schlafzimmer ein? Und dann natürlich der Inhalt – weiß ich schon genau was ich schreiben will und habe ich ausformulierte Sätze im Kopf; weiß ich genau über die Rechtschreibung Bescheid?

Immer gilt: Schnell muss es gehen

Wenn man sich das so durchliest, klingt das irgendwie nach einem ziemlichen Staatsakt. Gewisserweise ist es das dann wohl auch, aber ich finde das überhaupt nicht negativ. Klar, fast alle von uns mögen Bequemlichkeit, hohe Effizienz ist genau richtig, möglichst wenig Aufwand bei allem – und trotzdem steigt in den letzten Jahren das Bedürfnis nach Ruhe, Entschleunigung, bewussterer Wahrnehmung und aufmerksamerem Umgang immer stärker. Und genau das kann auch schon die Einfachheit des Schreibens bringen. Hauptsächlich sind unsere Finger inzwischen doch ans Tippen gewöhnt, höchstens kurze Notizen werden noch handschriftlich geschrieben. „Ich brauche sonst einfach viel zu lange wenn ich das aufschreibe“ oder „Meine Schrift kann sowieso keiner lesen!“ hört man da nur allzu oft – und warum? Gerade weil wir so wenig schreiben.

Es muss nicht immer eine Mail seinSchriftliche Wertschätzung

Und natürlich hat das elektronische Schreiben eine Reihe von unschlagbaren Vorteilen, aber muss alles andere deswegen gleich in Vergessenheit geraten? Wenn ihr euch die Mühe macht, einen Brief zu schreiben, dann zeigt ihr damit auch eine viel stärkere Wertschätzung als beispielsweise durch eine ausgedruckte eMail. In einem handschriftlich niedergeschriebenen Text findet sich immer auch ein Teil eurer derzeitigen Gefühle und Empfindungen. Nicht umsonst gibt es ja den Satz „Zwischen den Zeilen lesen“ oder Graphologie, die Lehre der Handschrift als Ausdruck des Charakters. Man nimmt sich ganz bewusst Zeit, trifft Vorbereitungen, macht sich im Vorfeld Gedanken. Und man muss auch viel bewusster darüber nachdenken, was man denn schreiben will – immerhin kann man nicht einfach auf „Löschen“ drücken und den Satz nochmal schreiben. Und das führt immer zu einem besonderen Ergebnis und einer somit hochzuschätzenden Geste.

Braucht es immer einen Anlass?

Ganz automatisch geht jeder von uns täglich zu seinem Briefkasten und dort Werbung, Rechnungen oder ähnliches vorzufinden, ist für uns nichts Besonderes. Wenn dort aber ein kleiner Briefumschlag zu finden ist, mit handgeschriebener Adresse, vielleicht ja sogar noch mit einem Wachssiegel, dann ist man oft doch schon viel gespannter, sowas bekommt man ja nun eben nicht jeden Tag. Aber ich finde, man braucht dafür nicht immer einen Anlass. Natürlich ist es schön, zu Weihnachten, Ostern oder Neujahr Briefe zu verschicken, aber noch wertvoller sind doch die Dinge, mit denen man gar nicht rechnet. Legt eurem Partner einen handgeschriebenen Brief morgens in die Arbeitstasche oder schickt eurer Mutter einen Umschlag mit einem Blumenstrauß – es müssen ja nicht immer gleich drei Seiten sein. Aber man hat immer einen Grund. Es gibt so viele Menschen denen man Danke sagen kann, so viele Kleinigkeiten die es wert sind, geschätzt zu werden.

Man muss nicht immer gleich als „out“ gelten, nur weil man eine Tradition oder ähnliches wieder aufgreift. Man muss nicht alles so machen wie alle anderen, nur weil man es eben so macht. Früher war eben doch auch so einiges besser und es lohnt sich oft mehr als man denkt, wenn man das einfach mal ausprobiert.

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