Zu Gast bei Aschenbrödel

Platz

 Die prachtvolle katholische Kapelle Am Anfang dieser Woche war ich das erste Mal in Sachsen – genauer gesagt in Moritzburg, keine zwanzig Kilometer von Dresden entfernt. Ich muss schon sagen, der sächsische Akzent ist schon etwas gewöhnungsbedürftig im ersten Moment, aber doch auch sehr sympathisch. Eingeladen war ich, um Schloss Moritzburg kennenzulernen – und wurde auch gleich in seinen Bann gezogen.

Als Potsdamer Bürgerin war ich ehrlich gesagt ein wenig skeptisch auf der zweistündigen Hinreise, immerhin bin ich hier ziemlich verwöhnt, was tolle Schlösser und Parks angeht. Ob da jetzt ein sächsisches Schloss so einen Unterschied macht? Aber neugierig wie ich bin, wollte ich es natürlich trotzdem unbedingt sehen. Und man soll ja auch niemals nie sagen. Am Montag kamen wir (David, Moses und ich) in Moritzburg an und ganz plötzlich war das Schloss zwischen den Bäumen direkt neben uns zu sehen, nur durch den Schlossteich getrennt, in dem es auf einer künstlichen Insel erbaut wurde.

Liebe auf den ersten Blick

Prunkvolller BarockbauDas war schon ein kurzer Überraschungsmoment, da man auf dem Weg dorthin gar nicht damit rechnet, es plötzlich auftauchen zu sehen. Alles ist so ländlich, schlicht und bewaldet – und dann steht es auf einmal da. In all seiner Pracht. Vier Türme bilden den symmetrischen Vierflügelbau, beige mit roten Dächern hebt es sich deutlich von der Landschaft ab. Ich hatte nicht erwartet, dass es so riesig sein würde. Gegenüber vom Landgestüt Moritzburg (Ich habe selten so viele Kutschen auf einmal gesehen) finden wir einen Parkplatz und laufen die letzten Meter zum Schloss zu Fuß. Ich war schon da ziemlich fasziniert, ich liebe alte Architektur einfach. Unglaublich, was die Menschen damals gebaut haben. Glücklicherweise hat das Schloss am Montag eigentlich geschlossen, sodass wir uns ganz in Ruhe umschauen können.

Ledertapeten mit Gold und Silber

Empfangen wurden wir von der festen Restauratorin des Hauses: Gabriele Hilsky. Ihr möchte ich hier auch nochmal unseren Dank aussprechen, denn ihr Hintergrundwissen ist einfach nur beeindruckend. Genauso wie die Arbeit, die sie leistet. Zusammen mit einigen anderen Damen restauriert sie liebevoll in mühsamer und extrem sorgfältiger Handarbeit speziell die Ledertapeten im Schloss Moritzburg. Hier ist nämlich der noch größte Bestand an barocken Ledertapeten weltweit zu finden. Und was dahintersteckt, ist wirklich faszinierend – das sogenannte Goldleder besteht In der Werkstatt der Restauratoren(zumindest bei den bisher getesteten) aus Ziegen- oder Kalbleder, welches mit Blattsilber und Goldlack versehen und am Ende noch bemalt und bedruckt wurde. Man kann sich kaum vorstellen, in welch schillernden Farben diese Räume früher geleuchtet haben. Allein die Vorstellung war durch Frau Hilskys lebhafte Schilderungen atemberaubend für mich.

Konkurrenz des Bernsteinzimmers

Aber das ist nicht die einzige Besonderheit dieses Ortes – da gibt es zum Beispiel auch noch das Federzimmer. Hier finden sich das königliche Paradebett und – wie der Name schon sagt – viele, viele Federn. Und alles sogar im Original. Auf den ersten Blick gar nicht so leicht zu erkennen, aber für den Baldachinhimmel, die Gesimsteile, die Bekrönungsvasen sowie die Zierzargen am Bettgestell und die Wandteppiche mussten allerlei Vögel ihre Federn lassen. Allein für die Quasten wurden über 50.000 Federn verarbeitet. Ein Bild wie aus einer anderen Welt – ist es ja irgendwie auch.

Staunen über Staunen

Ich habe das Gefühl, ich könnte jetzt schon ein halbes Buch über meine Eindrücke schreiben. Vielleicht mag das für einige von euch übertrieben klingen, aber mich faszinieren solche Orte einfach. Es stecken so viele Geschichten und Geheimnisse dahinter, so viele Schicksale und Entscheidungen. Das nötigt mir immer wieder Respekt und Bewunderung ab. Auch für die Menschen, die es möglich machen, solche Orte heute noch zu besichtigen. Schloss Moritzburg ist viel mehr als ein einfaches Museum oder ein eingestaubtes Gemäuer für Rentnergruppen. Es hat eine Menge Einzigartigkeiten auf dieser Welt und bietet sogar eine Drehkulisse des Klassikers „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ – aber dazu nächstes Mal mehr….

Wer nicht warten möchte: auf www.schloss-moritzburg.de findet ihr jede Menge interessante Infos, oder auch auf dem YouTube und facebook Kanal des SchloesserlandSachsen

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