Sachsens schönste Ritterburg

Platz

Burgmöbiliar zum AnfassenIn meinem ersten Beitrag zur Burg Kriebstein habe ich euch ja schon berichtet, wie positiv überrascht ich war und dass die Burg so einige versteckte Schönheitsgeheimnisse hat. Aber da gibt es noch etwas, das diesen Ort sehr einzigartig macht.

Als Frau Spruck uns in den ehemaligen Vorratskeller führte, standen wir vor einer Stuhlgruppe und einem Bildschirm, auf dem der 8–minütige Infofilm über die Burg Kriebstein vor Besuchern läuft. Ein guter technischer Einstieg – dabei ist es gar nicht wirklich ein Einstieg. Mit der Technik geht es nämlich im Schloss gar nicht großartig weiter – und das hat mich sehr beeindruckt.

„Ungeschminkt“ und wunderschön

Eine Burg zum anfassenEigentlich ist es heute doch schon selbstverständlich, dass man am Eingang eines Museums nach dem Audioguide greift oder in jedem Raum am interaktiven Bildschirm stehenbleibt. Und natürlich hat das eine Menge Vorteile, macht es gerade für Kinder interessanter und fordert die Kreativität. Aber ich persönlich finde es super, dass ich hier in einer Burg sein konnte, in der man die Kreativität und das Interesse anders wecken will. Hier wurde sich nicht einfach angepasst, sondern der ganz ursprüngliche Charme dieses Ortes erhalten.

Burg mit Ausblick

Zu diesem Charme gehört zum Beispiel auch der unglaublich schöne Ausblick, den man aus den Fenstern genießen kann – und ja, man darf die Fenster sogar öffnen. Oder die Möbel anfassen. Da ist man in einem komplett eingerichteten Zimmer und darf sich auf den Stuhl aus dem 19. Jahrhundert setzen. Der Titel meines ersten Beitrages war „Eine Burg zum Anfassen“ und genauso ist es: hier stehen nicht an jedem Tisch, jedem Stuhl und jeder Fensterbank „Berühren verboten“-Schilder, das bringt eine spannende Abwechslung! Natürlich sollte man nicht vergessen, wie wertvoll trotzdem jedes dieser Stücke ist…

Die Sage der treuen Frauen

Ausstellungsraum auf der Burg Kriebstein
Das Gemälde links zeigt die Sage der treuen Frauen

Als ich Frau Spruck auf ein etwas ungewöhnliches Bild ansprach, erfuhr ich, dass die Burg auch noch eine Sage zu bieten hat: Um 1415 wurde die Burg durch den Markgrafen Friedrich der Streitbare belagert, doch die Frauen wollten das nicht länger ertragen und so bat die Frau des Ritters Dietrich von Staupitz, der die Burg zuvor eingenommen hatte, den Markgrafen, doch wenigstens die Frauen mit dem, was sie tragen könnten, ziehen zu lassen. Und tatsächlich willigte Friedrich ein. Er dachte wohl an Juwelen und kostbare Kleider, ohne zu ahnen, dass die Frauen am nächsten Morgen nur mit ihren nackten Männern auf dem Rücken die Burg verlassen würden…

Felsen, Falken und Rokoko

Diese Burg befindet sich wirklich in einem beeindruckend guten Zustand. Im Vorbeigehen kann man darüberhinaus mal eben so den Fels berühren, der bei dem Bau der Burg integriert wurde. Oder auf den Dachboden gehen und feststellen, dass die Menschen damals auch schon an Brandschutz gedacht haben: Da wurden die Dachbalken beispielsweise abgerundet, damit sie schlechter Feuer fangen können und trotz der Jahrhunderte haben die Hölzer bewundernswerterweise kaum Risse. Oder man kann vom Barock- ins Rokokozimmer laufen (das Rokokozimmer ist übrigens mein persönlicher Lieblingsbereich, alles war so detailgetreu eingerichtet und vollständig – ich habe mich richtiggehend zuhause gefühlt) und weiter zum Biedermeierraum. Und zum Abschluss kann man auch nochmal über Livekameras einen Blick in die Dohlen- und Falkennester werfen.

Telefongespräch im Biedermeier Arbeitszimmer
Dieses Telefon funktioniert tatsächlich noch

Ich kann also wirklich nur sagen, dass ich auch von meiner letzten Station im Schlösserland Sachsen sehr begeistert bin. Es ist so etwas ganz Anderes – richtig gemütlich, spannend und entschleunigend. Und auf jeden Fall mehr als einen Besuch wert. Zum Beispiel zur Sonderausstellung „Historische Ansichten der Burg Kriebstein“, die noch bis zum 31. Oktober zu besuchen sein wird. In dieser sind sogar teilweise bisher ungezeigte Stücke zu sehen  – Postkarten, Malereien, Fotografien aus den unterschiedlichsten Epochen und Perspektiven.
Also lasst das Smartphone mal zuhause und taucht ein in die Welt von Sachsens schönster Ritterburg!

Mehr dazu findet ihr natürlich auch auf www.burg-kriebstein.de

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