Konjunktur der Höflichkeit

Platz

Ein Mann der weiß wie er sich benimmt2008 haben sich bei einer internationalen Tagung an einer Frankfurter Universität dreißig Wissenschaftler getroffen, um erstmals über „Konjunkturen der Höflichkeit“ zu diskutieren. Denn auffällig ist, dass seit einigen Jahren gutes Benehmen wieder immer stärker gefordert wird. Knigge Bücher gibt es für jede Situation, Benimm – Kurse in Restaurants sind ausgebucht. Woran liegt es, dass Höflichkeit wieder so modern wird?

Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre galt sie als verpönt – doch heute wird sie immer stärker geschätzt, die Höflichkeit. Was bedeutet es denn eigentlich, höflich zu sein? Man verhält sich selbst so, dass man auf die Menschen in seiner Umgebung bewusst Rücksicht nimmt. Unbewusst setzen die Meisten von uns die Grundregeln um – man gibt sich die Hand zur Begrüßung, man entschuldigt sich, wenn man jemanden angerempelt hat, man grüßt Bekannte auf der Straße. Aber oft hört es da dann auch schon auf.

Die wissenschaftliche Analyse

Laut der Wissenschaftler sei die Bedeutung von höflichem Verhalten inzwischen so wichtig aufgrund der bewusster wahrgenommenen Globalisierung. Heutzutage sollen Menschen nicht nur Zuhause, sondern überall auf der Welt funktionieren. Man möchte nirgendwo anecken. Außerdem sei es wichtig, die korrekten Verhaltensweisen im eigenen Land zu kennen, damit man überhaupt ein Verständnis für abweichende Regeln fremder Länder entwickeln könne. Die Komplexität der Gesellschaft sei inzwischen so groß geworden, dass es solche Verhaltensregeln schlichtweg als Orientierung brauche.

Die alte SchuleHöflich gleich spießig?

Höflichkeit hat nichts mit Spießigkeit zu tun. Spießer kennen nur sich selbst, wohingegen höfliche Menschen oft viel weltoffener sind. Im Grunde ist das also ein völlig unlogisches Vorurteil. Und wer meint, Höflichkeit helfe nur den anderen und nie einem selbst, der liegt damit meiner Meinung nach auch falsch. Schon in der Bibel steht ja „Wie du willst, das dir getan wird, so tue auch anderen.“ oder als Volksweisheit „Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.“ – Viele von uns kennen diese Sätze. Wenn du lächelst, bekommst du oft ein Lächeln zurück – von Höflich- und Freundlichkeit haben also alle etwas.

Höflichkeit im Alltag

Ich finde auch überhaupt nicht, dass man gekünstelt wirkt oder oberflächlich, nur weil man sich ordentlich verhält, ganz im Gegenteil. Wie kann ich denn oberflächlich sein, wenn ich durch mein Verhalten Rücksicht auf andere nehme? Früher war das völlig selbstverständlich. Heute dagegen fällt man (meist positiv) auf, wenn man sich beim Gähnen die Hand vor den Mund hält oder einer älteren Person seinen Sitzplatz anbietet. Solche kleinen Gesten sind es, die den Unterschied machen. Wenn man helfen würde statt einfach nur zuzusehen. „Gesundheit!“ zu sagen, wenn jemand geniest hat. Einem schniefenden Menschen ein Taschentuch reichen, auch ohne, dass man danach gefragt wird. Beim Essen den Mund zu schließen. Im Zug leise zu telefonieren.

Es gibt so Vieles. Und schaden tut es niemandem. Also vielleicht wäre ein guter Vorsatz für 2018 noch, höflicher, rücksichtsvoller und geduldiger zu sein, denn das wird für uns alle immer wichtiger.

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