Eine Burg zum Anfassen

Platz

Deutschlands schönste RitterbrugManche von euch werden sich vielleicht fragen, warum ich die Burg Kriebstein als dritte Station meiner Reise durch das Schlösserland Sachsen gewählt habe – eine Burg ohne Kriege oder dramatische Eroberungen, was sollte daran schon spannend sein? Eine ganze Menge. Ich glaube, die Burg Kriebstein wird unterschätzt und ich möchte euch heute erzählen, warum.

Ab 1384 wurde die Burg von der Familie von Beerwalde auf der höchsten Felsenklippe der Umgebung errichtet. Zu damaligen Zeiten noch als ein verhältnismäßig kleiner Bau, denn man stand nicht allzu weit oben im Adel. Allerdings wurde sich hier hochgearbeitet, sodass die Burg nach 1465 erweitert wurde – und zwar durch den damaligen Star-Architekten Arnold von Westfalen. Wem der Name jetzt bekannt vorkommt: richtig, das war der Hofmeister und Erbauer der Albrechtsburg Meissen. Und so kommt es auch, dass man viele Merkmale der Albrechtsburg sozusagen im verkleinerten Format auch hier wiederfindet.

Modelle von Burgen aus aller Welt
Burgen in aller Welt

Eine Ritterburg hochaktuell

Als wir mit der fachkundigen Frau Spruck die Burg Kriebstein betraten, erzählte sie uns, was für einen aktuellen Bezug man hier eigentlich herstellen könne. Die Zeit damals sei mit heute vergleichbar, denn auch dort war Vieles im Umbruch, viele Bürger waren sich unsicher über den Weitergang der Dinge. Gerade das macht es auch zu einem gut geeigneten Ziel für Kinder, da es viel Raum für spannende Diskussionsrunden gibt.

Das Instagram des Mittelalters

Die Kapelle der Burg KriebsteinAuch wurde damals schon Religionskritik geübt, was man teilweise sogar heute noch an den Malereien auf den Kapellenwänden erkennen kann. Von diesen Malereien ist fast alles noch original, ein heute sehr seltener Umstand. Gerade das macht diese Kapelle (übrigens evangelisch und katholisch geweiht) zu einer ganz besonderen Hochzeitslocation. Besonders interessant ist zudem, dass wir dadurch einen Blick auf die damalige Kleidungs- und Frisurenmode erhalten und auch wieder Parallelen zur heutigen Zeit entdecken – denn schon damals schummelte man bei den Abbildungen der jeweiligen Adelsleute! Da wurde sich eben schlanker, größer oder blonder gemalt… sozusagen der Instagramfilter des Mittelalters.

‚Original‘ wird hier groß geschrieben

Die Wandmalereien sind aber nicht das einzig Originale auf dieser Burg. Gleich zu Beginn tritt man durch eine breite Holztür, hinter der sich das ursprüngliche Türschloss verbirgt: ein stabiler Holzbalken, der raffiniert in der Wand verschwindet oder sich bei Bedarf erstaunlich leicht vor die Tür ziehen lässt. Das kann auch jeder selbst testen. Eine Vielzahl von originalen Möbeln aus dem 19. Jahrhundert gehören zur Dauerausstellung. Besonders liebevoll zum Leben erweckt wird die Burg am zweiten Juli-Wochenende jeden Jahres: dann findet hier die Veranstaltung „Burg der Märchen“ statt, während der man entsprechend kostümierte Burgbewohner durch die Gänge wandern, Tee trinken oder tanzen sehen kann.

Märchen mit Gruselfaktor

historische Möbel aus dem 19. Jahrhundert
Die zwei Fässer hier konnte man übrigens durch heiße Kohlen im Inneren als beheizte Sitzmöbel nutzen

So märchenhaft das alles klingt, Burg Kriebstein hat auch eine gruselige Seite. Schon mehrfach soll es hier
gespukt haben. Schwere Schritte, plötzliche Kälte, unerklärliche Gerüche – es scheint immer wieder
Geisterscheinungen zu geben. Sogar ernsthafte Geisterforscher aus England waren schon hier – es ist also
auch für Gruselfans interessant. Und als ich mir so manche Gemälde dort angesehen habe, bekam sogar ich
Gänsehaut: so einem unheimlich drein blickenden Kind möchte ich nicht begegnen…

Die Burg zeigt sich also von ganz unterschiedlichen Seiten – und keine davon habe ich als langweilig
empfunden. Seit 1930 schon hat sie den Ruf der schönsten Ritterburg Sachsens und das kann ich sehr gut
nachvollziehen. Für diesen ihren Ruf gibt es auch noch einige weitere gute Gründe, vor allem einen ganz
besonderen, die ich euch aber erst im zweiten Beitrag verraten möchte. Oder ihr schaut es euch einfach gleich
selbst an…

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